Musikalische Leckerbissen

— Konzertreihe alter Musik —

Nach willen dein

Hans Newsidler: Nach willen dein (1536).

Deutsche Lautenlieder aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Samstag 7. November 2015 17:00 — Stucksaal, Erzbischöfliches Schloss, Sněmovní náměstí 1, 767 01 
Kroměříž (Kremsier), Tschechische Republik.

Der Erlös vom freiwilligen Eintritt wird für die Restaurierung der chinesischen Pavillon im Schlossgarten verwendet.

Das Konzert findet im Rahmen des Projektes „Deutsche Renaissance-Lieder“ statt.
Das Projekt beinhaltet auch eine Reihe von Bildungsaktivitäten in Zusammenarbeit mit einem Konsortium von Hochschulen.

Projekt „Deutsche Renaissance-Lieder“
Sa 07.11.2015
10:00 – 13:00
Meisterkurs
für Studierende an der JAMU und MU
Janáček-Akademie (JAMU),
Komenského náměstí 6, Brno
Eintritt
frei
Sa 07.11.2015
17:00
Konzert
Nach willen dein
Stucksaal,
Erzbischöfliches Schloss,
Sněmovní náměstí 1,
Kroměříž (Kremsier)
Spende
erwünscht
So 08.11.2015
17:00
Konzert
Nach willen dein
Theater Na Cucky,
Wurmova 7, Olomouc
100 Kč
50 Kč
Mo 09.11.2015
10:00 – 15:00
Meisterkurs
für Studierende an der JAMU und MU
Janáček-Akademie (JAMU),
Komenského náměstí 6, Brno
Eintritt
frei
Mo 09.11.2015
19:30
Konzert
Nach willen dein
Altes Rathaus,
Radnická 8, Brno
250 Kč
150 Kč
90 Kč
Di 10.11.2015
10:00 – 11:30
Vortrag (EN)
German Renaissance lute music and its methodic
approach. Lecture with practical examples.
Janáček-Akademie (JAMU),
Komenského náměstí 6, Brno
Eintritt
frei
Di 10.11.2015
13:15 – 14:45
Vortrag (EN)
The lute works by Johann Sebastian Bach.
Fronleichnamskapelle,
Konvikt, Univerzitní 3, Olomouc
Eintritt
frei

Programm

Hans Judenkünig (1450 – 1526) Das erst Priamell
Arnolt Schlick (1460 – 1521) Cupido hat jm ie erdacht
Vil hinderlist
Arnolt Schlick (1460 – 1521) All ding mit radt
Hans Judenkünig (1450 – 1526) Rossina, ein welscher tantz mit hupff auff
Arnolt Schlick (1460 – 1521) Ich schrei und rieff
Wer gnad durch klaff
Wegwart dein art
Hertzliebstes pild
Hans Judenkünig (1450 – 1526) Ain niderlendisch Rundtanz
Paul Hofhaimer (1459 – 1537) Ach lieb mit leyd
Hans Newsidler (1508 – 1563) Ein gutter venetianischer Tantz mit Hupfauff
Paul Hofhaimer (1459 – 1537) Mein einigs A.
Hans Newsidler (1508 – 1563) Ein seer gut organistisch Präambel
Paul Hofhaimer (1459 – 1537) Nach willen dein
Wolfgang Grefinger (? – nach 1515) Wol kombt der mey
Petrus Fabritius (1579 – 1650) Worumb seind die Studenten
Bistu des Goldtschmids Töchterlein
Heinrich Isaac (1450 – 1517) Innsbruck, ich muß dich lassen
Anonym Preambulum und Chorea   (Lautenbuch des Johannes Arpinus)
Passamezzo und Satarella
Ludwig Senfl (1490 – 1543) Mein fleiß und müh
Die brünnlein die da fließen
Elslein, liebstes Elselein mein

►►►  Liedtexte.

Über das Programm

In dem aufkommenden Bürgertum des 16. Jahrhunderts spielte die häusliche Musik eine große Rolle. Mit dem neu entstandenen und sich schnell verbreitenden Buchdruck wurde es zu einer lukrativen Einnahme-quelle, selbst Bücher herauszugeben. Dies machten sich Lautenisten wie Hans Newsidler und Hans Gerle in der prosperierenden Stadt Nürnberg zu nutze und veröffentlichten Sammlungen für den Hausgebrauch mit Lautenmusik, verbunden mit Anweisungen zum Selbstunterricht, etwas ganz Neues.

1512 veröffentlichte der blinde Organist Arnolt Schlick die Tabulaturen Etlicher lobgesang und lidlein uff die orgeln und lauten in Heidelberg, in der sich die ersten gedruckten Solostücke für die Laute in Deutschland befinden.

Der in Schwäbisch Gmünd geborene Hans Judenkünig veröffentlichte um 1515 auf Latein Utilis et compendiaria introductio für Studenten der Universität, und 1523 auf Deutsch Ain schone kunstliche underweisung für den Bürger („der gemayn man“) zum Selbstunterricht bestimmt.

Die zentrale Persönlichkeit der deutschen Lautenmusik der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts war der in Pressburg (heute: Bratislava) geborene Hans Newsiedler. Nachdem er 1530 nach Nürnberg gekommen war, veröffentlichte er zwischen 1536 und 1549 acht Tabulaturbücher, die die gesamte Bandbreite der Musik, wie sie zu der Zeit gepflegt wurde, darstellen. Sein erstes Buch, Ein Newgeordent Künstlich Lautenbuch (1536) für die „unerfarn in dieser kunst“ enthält wichtige technische Anweisungen und eine große Anzahl von einfachen bis mittelschweren Stücken zum Selbststudium, die zum Teil ausführlich mit Fingersätzen versehen sind. Der ander theil des Lautenbuchs (1536) „für die erfarnen dieser kunst“ enthält ausgefeilte virtuose Intavolierungen von Musik von Ludwig Senfl, Paul Hofheimer und Josquin des Prez sowie Preambeln. In den virtuosesten Stücken ist die Dissonanzbehandlung kühn und man möchte fast von einer manieristischen selbstverliebten Verzierungskunst sprechen.

Petrus Fabritius aus Tondern (heute: Tønder, Dänemark) war ein Nutznießer der Lautenbücher. Im Alter von 14 Jahren ging er nach Rostock um Theologie zu studieren. Während des Studiums kopierte er 300 dicht beschriebenen Seiten voller Musik, anfangs meistens Trinklieder und Liebeslieder, aber später auch Intabulierungen von Psalmen, – ein passenderes Repertoire für einen angehenden Pfarrer.

Bettina Pahn

Bettina Pahn wurde in Erfurt geboren. Sie studierte zunächst Violoncello und setzte später ihre Ausbildung in Gesang an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin und in Frankfurt/Main bei Prof. Elsa Cavelti fort. Seit Juni 2012 nimmt sie Unterricht bei der international bekannten, niederländischen Gesangspädagogin Margreet Honig. Schnell erregte ihr beweglicher lyrischer Sopran das Interesse von verschiedenen Dirigenten in den Bereichen Oratorium, Alte Musik & Lied.

Die deutsche Sopranistin etablierte sich durch ihre Auftritte und Aufnahmen mit Ton Koopman, ihre Konzerte in den wichtigsten Konzerthäusern wie der New Yorker Carnegie Hall und dem Amsterdamer Concertgebouw, sowie durch ihre Gastspiele bei den Göttinger Händel-Festspielen und dem Schleswig-Holstein Musik Festival als eine führende Sängerin für historisch informiertes Musizieren. Bis jetzt erschienen vier Alben von einer Reihe von CDs mit Ton Koopman, die dem Werk Dieterich Buxtehudes gewidmet sind. Das zweite Album Opera Omnia VII – Volume 3 wurde mit dem Echo-Klassik-Preis 2009 ausgezeichnet. Von 2012 bis 2014 hat sie unter Leitung von Ton Koopman auch zahlreiche Solo-Kantaten Buxtehudes eingespielt.

Außerdem sang Bettina Pahn u. a. unter der Leitung von Frieder Bernius, Pierre Cao, Peter Rundel und Patrick Peire.

Mit Ihrem Duo-Partner, dem Echo-Preisträger Joachim Held (Laute), verbindet sie eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit. Mit großem Erfolg konzertierte das Duo 2007 bei den Göttinger Händelfestspielen, im Juni 2008 bei den Schwetzinger Festspielen und im August 2009 beim Schleswig-Holstein-Festival. Im Rahmen der Händelfestspiele in Halle gaben sie 2011 ein Konzert mit dem Ensemble Sarband. Im Herbst 2007 erschien bei Hänssler die erste gemeinsame CD mit deutschen Volksliedern und im Juli 2009 die CD Stille Nacht mit alten deutschen Weihnachtsliedern. Im Juli 2011 folgten sie einer Einladung zu den Innsbrucker Festwochen für Alte Musik. Für 2015 haben sie eine Einladung zum Festival Itinéraire Baroque im Périgord.

Im September 2014 nahm Bettina Pahn mit Tini Mathot, Hammerflügel, für das Label Naxos Lieder der zweiten Berliner Liederschule auf. Für 2015 steht sie mit der Aufnahme der weltlichen Lieder Carl Philipp Emanuel Bachs bei Naxos unter Vertrag. Für 2016 und 2017 sind bei dem Label Hänssler Classic zwei Einspielungen der Vertonungen von Paul-Gerhardt-Gedichten mit Joachim Held, Laute und Christine Schornsheim, Orgel, geplant.

Joachim Held

Joachim Held wurde in Hamburg geboren. Er erhielt seine musikalische Ausbildung an der Schola Cantorum Basiliensis bei Eugen Dombois und Hopkinson Smith. In 1988 schloss er das Studium mit dem „Diplom für Alte Musik“ ab. Von 1988 – 1990 studierte er bei Jürgen Hübscher an der Musikhochschule Karlsruhe und schloss dort mit der „Künstlerischen Abschlussprüfung“ ab. In 1990 gewann Joachim Held den 2. Preis beim Concours Musica Antiqua des Flandern-Festivals in Brügge. Seitdem begann eine intensive internationale Konzerttätigkeit als Solist, Kammermusiker und Continuospieler.

So spielt Joachim Held seit 1993 (L’incoronazione di Poppea im Rahmen der Salzburger Festspiele) regelmäßig unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt. 2004 wirkte er bei dessen Produktion des King Arthur von Henry Purcell im Rahmen der Salzburger Festspiele mit.

Seit 1992 wirkte Joachim Held bei einer Vielzahl von Konzerten und Aufnahmen von Giardino Armonico (Mailand) mit (z. B. wirkte er mit bei dem Vivaldi Album mit, das mit Cecilia Bartoli für die Decca veröffentlicht wurde). Seit 2005 nimmt Joachim Held regelmäßig Solo-CDs für Hänssler Classic auf. So erschien 2005 eine Auswahl des Schele Manuskripts aus dem Jahre 1619 in Zusammenarbeit mit Radio DRS Zürich und eine CD mit Werken österreichischer Komponisten des Barocks für Barocklaute Erfreuliche Lautenlust. Für diese CD erhielt Joachim Held den „Echo Klassik 2006 für die beste solistische Einspielung im Bereich 17./18. Jh.“ 2006 erschien Deutsche Lautenmusik des Barock für Hänssler Classic in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk Köln. 2007 erschien Che Soavita, Italienische Lautenmusik des Barock und im Juni 2008 Musique pour le roi, Französische Lautenmusik des Barock. 2010 widmete er sich Werken zur Zeit John Dowlands unter dem Titel Merry Melancholy. Seine neueste CD erschien mit Lautenwerken von Johann Sebastian Bach 2013 ebenfalls für Hänssler Classic.

Als Solist trat Joachim Held u. a. bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci, dem Internationalen Bachfest Schaffhausen, den Schwetzinger Festspielen, den Köthener Bachfesttagen, den Concerti a San Maurizio in Mailand, dem Early Music Forum Budapest, der Hausmusik des ORF Wien, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, der Bachwoche Ansbach und den Händel–Festspielen in Halle an der Saale und Göttingen auf.

Seit 1996 tritt Joachim Held zusammen mit Bettina Pahn in Konzerten auf. Das Duo gastierte u. a. erfolgreich bei den Göttinger Händel-Festspielen, den Schwetzinger Festspielen, dem Kissinger Winterzauber, den Ambraser Schlosskonzerten und beim Schleswig–Holstein Musik Festival.

Seit September 2007 unterrichtet Joachim Held am Königlichen Konservatorium in Den Haag und wurde 2010 als Professor für Historische Lauteninstrumente an die Hochschule für Künste in Bremen berufen.

Petrus Fabritius: Bistu des Goldtschmids Tochterlein (DK–Kk Thott 4º 841 No. 167 fol. 89r).

Wir danken

Das Konzert findet mit finanzieller Unterstützung des tschechischen Kultusministerium und des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds statt.

Das Projekt „Deutsche Renaissance-Lieder“ wird in Zusammenarbeit mit einem Konsortium von Hochschulen und mit freundlicher Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds durchgeführt.

Das Konzert „Nach Willen Dein“ in Kremsier (Kroměříž) ist durch die Unterstützung folgender Partner möglich: Erzbischöfliches Schloss und Gärten Kremsier (NPÚ), Erzdiözesanmuseum Kremsier (MUO) und Czech National Trust o.p.s.

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