Musikalische Leckerbissen

— Konzertreihe alter Musik —

Symphoniae Sacrae in stilo moderno e grave

Das Durchdringen von Musikstilen in der europäischen Kirchenmusik des 17. Jahrhunderts.

Samstag 23. April 2016 17:00 — St.-Josef-Kirche, Josefská 1, 603 00 Brno, Tschechische Republik.

Mvsiche Varie (DE):

Das Konzert findet im Rahmen des Projektes „Prägungen musikalischer Stile im 17. Jahrhundert über Grenzen“.

Projekt „Prägungen musikalischer Stile im 17. Jahrhundert über Grenzen“
Sa 23.04.2016
17:00
KonzertMvsiche Varie
Symphoniae Sacrae in stilo moderno e grave
St.-Josef-Kirche,
Josefská 1, Brno
250 Kč
150 Kč
90 Kč
So 24.04.2016
17:00
KonzertMvsiche Varie
Symphoniae Sacrae in stilo moderno e grave
Maria-Himmelfahrt-Kirche,
Velké náměstí 40, Hradec Králové
200 Kč
120 Kč
Mo 25.04.2016
10:00 – 12:00
Vortrag (auf Englisch) — Martin Lubenow
From intabulation to figured bass
Janáček-Akademie (JAMU),
Komenského náměstí 6, Brno
Eintritt
frei

Programm

Rupert Ignaz Mayr (1646 – 1712) Salve Regina — Secondo Tono
Francesco Turini (cca. 1595 – 1656) Sonata à due Violini e Basso, grave-Secondo Tono
Girolamo Frescobaldi (1583 – 1643) Toccata Undecima
Tarquinio Merula (1595 – 1665) Favus distillans
Dario Castello (cca. 1590 – 1658) Sonata duodecima per due Violini e Basso
In Stilo moderno
Heinrich Schütz (1585 – 1672) Exultavit   (Symphoniae Sacrae opus 6, 1629)
 
Tarquinio Merula (1595 – 1665) Gaudeamus omnes
Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 – 1704) Partita V per due Violini   (Harmonia artificioso-ariosa, 1696; C. 66)
Intrada — Aria — Balletto — Gigue — Passacaglia
Hieronymus Kapsperger (cca. 1580 – 1651) Anima mea
Anonym (17. Jh.) [Suite 3 per] Viola da Gamba   (CZ–Bm D.189 fol. 41r)
Praeambulum — Allamande — Gavotte — Courante — Sarabande — Gigue — Finale
Claudio Monteverdi (1567 – 1643) Sanctorum meritis   (Selva Morale e Spirituale, 1640)
Himnus Comune plurimorum Martirum à voce sola & doi Violini
Biagio Marini (1594 – 1663) Sonata per Organo e Violino
Anonym
(Christoph Tittel?, Stadt Cantor in Zeitz 1687–1724)
Was du thust so bedenke das Ende   (D–ZZsa, Hs. verschollen)
Martin Wincklers Stadt Pfeiffer Gesellens Proben-Stücke, Zeitz 1701

►►►  Liedtexte.

Über das Programm

Martin Wincklers 
Stadt Pfeiffer Gesellens 
Anno 1701 Domin. 1 post Trinitatis 
In der St. Michaelis Kirche 
abgelegtes 
Proben Stücke 
unter der Direction 
des damahligen Stadt Cantoris 
Christoph Tittels.

In stilo moderno, so steht es im Untertitel von Dario Castellos Sonate Concertate. In diesen Werken findet ein aus der Formensprache von Madrigal und Oper entwickelter Stil seinen Eingang in die Kirchenmusik. Waren im „alten“ Kirchenstil polyphone Wendungen vorherrschend, so werden die Affekte im „modernen“ Stil viel direkter in die Musik umgesetzt, ohne jedoch die alte Polyphonie aufzugeben.

Die Mischung aus rezitativischen Abschnitten und solchen mit virtuos geführten Instrumental- und Vokalstimmen in einer kleinen, kammer­musikalischen Besetzung findet sich in vielen der Werke wieder. Affekt- bzw. Tempobezeichnungen wie grave, presto, adasio und ähnliche werden von den Komponisten häufig zur Beschreibung der gewollten musikalischen Effekte hinzugefügt. Besonders gut eigneten sich klein besetzte Stücke mit Generalbass­begleitung. So entwickelte sich auch ein eigener Instrumentalstil.

Nachdem die Violine, die im 16. Jahrhundert ein eher bescheidenes Dasein als Tanzmusik­instrument fristete, durch Komponisten wie Biagio Marini oder Dario Castello bis hin zu dem Violin­virtuosen Heinrich Ignaz Franz Biber zu einem spieltechnisch hochvirtuosen Instrument entwickelt wurde und dem bis dahin vorherrschenden Zink ernsthafte Konkurrenz machte, etablierte sich ein Instrumentalstil, der die Singstimme quasi technisch überhöht, der allerdings auch die Anforderungen an eine neue Gesangstechnik vorgibt. Komponisten, wie der Freisinger Kapellmeister Rupert Mayr, oder der Italiener Tarquinio Merula stellen hohe Anforderungen, sowohl in Hinsicht des Ambitus als auch der Virtuosität. Durch diese ständigen Affektwechsel erhalten die Werke ein große Farbigkeit.

Ohne die Entwicklung der Generalbass­technik, bei der Orgel und Laute jederzeit das harmonische Fundament zur Verfügung stellen, wäre die Entwicklung der klein besetzten Solowerke sicher nicht möglich gewesen. Die Akkord­instrumente können so neben der harmonischen Stütze auch klanglich verstärkend eingesetzt werden. Außerdem erhält die Orgel obligate Aufgaben wie in Girolamo Frescobaldis Toccata oder Biagio Marinis Sonate mit Violine und Orgel.

Diese Mischung von instrumentalem und vokalen Stil brachte Heinrich Schütz nach seinen beiden Italien­aufenthalten mit nach Dresden. In seinen Symphoniae Sacrae verbindet er die italienische Leichtigkeit mit der deutschen, gründlichen Polyphonie, ohne jemals die Vorherrschaft des Wortes aufzugeben.

Harmonisch überraschende Wendungen wie in der Sonate des in Prag geborenen Stadtpfeifer­sohnes Francesco Turini oder abrupte Affektwechsel wie bei Castello, gepaart mit einer virtuosen Schreibweise zeichnen die Instrumentalmusik der Zeit aus. Die abschließende Vertonung Was du tust, so bedenke das Ende wurde im Jahr 1701 als Prüfungsstück für einen Stadtpfeifer in Zeitz (Sachsen-Anhalt) geschrieben. Ursprünglich musste dieser alle drei Ritornelle nacheinander auf den damals geforderten Instrumenten Violine, Zink und Posaune ausführen.


Mvsiche Varie

Ensemble „Mvsiche Varie“

Mvsiche Varie spielt in seiner Stammbesetzung mit Zinken, Posaunen und Basso continuo seit fast 20 Jahren zusammen und hat sich ausschließlich auf die Musik des 17. und späten 16. Jahrhunderts spezialisiert. Die Gruppe wurde für zahlreiche Konzerte und Projekte mit Werken von Monteverdi, Schütz, Praetorius u.a. verpflichtet. Die inzwischen um Streichinstrumente erweiterte Besetzung ermöglicht die Aufführung des gesamten frühbarocken Repertoires in der originalen Besetzung. Alle Mitglieder erhielten ihre Ausbildung an renommierten Spezialinstituten für Alte Musik (Schola Cantorum Basiliensis, Akademie für Alte Musik Bremen, Musikhochschule Trossingen, Koninklijk Conservatorium Den Haag) und verfügen über eine ausgedehnte Konzerterfahrung mit vielen führenden Ensembles in ganz Europa. Ein besonderer Schwerpunkt ist das Erschließen unbekannter Literatur des Frühbarock, die der angeschlossene Musikverlag veröffentlicht.

Mvsiche Varie hat bisher drei eigene CDs produziert, und der angeschlossene Verlag veröffentlichte über 250 Neuausgaben mit Musik des 17. Jahrhunderts.

Jennie Cassidy.

Jennie Cassidy

Während ihrer spannenden Karriere hat Jennie Cassidy auf fünf Kontinenten gesungen und in vielen führenden Veranstaltungs­orten wie La Scala (Mailand) und die Royal Albert Hall. Ihr Tonumfang von zweieinhalb Oktaven hat ihr ermöglicht, Sopran mit dem Taverner Consort und Alt mit dem Gabrielli Consort zu singen. Sie durchquerte die Welt mit Gruppen wie The Harp Consort und trat bei den bedeutenden Musikfestivals in Europa und Amerika auf. Sie unternahm auch Aufführungen und Aufnahmen mit dem New London Consort, Gothic Voices, Joglaresa, Musicians of the Globe, Musica Antiqua of London, Musiche Varie und Psalmody. Sie leitet das renommierte Ensemble Frottola, das Laute, Gambe und Stimme kombiniert.

Jennie ist für ihren klaren Ton und die Vielzahl von Klangfarben bekannt. Sie hat mehr als dreißig CDs aufgenommen sowie Rundfunk­sendungen in vielen Ländern. Jennie wurde ursprünglich natur­wissen­schaftlich ausgebildet; sie hält einen gemeinsamen Abschluss in Physik und Chemie. Sie unterrichtete Natur­wissen­schaften 8 Jahre lang, bevor sie ihre Gesangs­karriere startete. Neben ihrer künstlerischen Karriere ist sie auch als Gesangs­lehrerin viel gefragt.

Cosima Marius & Filip Marius.

Cosima Marius

Cosima Marius studierte an der Hochschule für Musik Trossingen mit dem Schwerpunkt auf Historische Aufführungspraxis im Fach Barockvioline bei Anton Steck und Rüdiger Lotter. Bereits als Studentin trat sie beim SWR im Rahmen der Fernseh­sendung „Musikdebüt“ auf. Im Juli 2008 machte sie ihren Abschluss mit Auszeichnung.

Ihr Wirken umfasst die Zusammenarbeit mit Ensembles wie Musiche Varie unter der Leitung von Martin Lubenow, Armonico Tributo und der Neuen Hofkapelle München, darunter CD- und Rundfunk­aufnahmen. Auch mit dem Südwest­deutschen Kammerchor Tübingen unter der Leitung von Rolf Maier-Karius und dem Barockensemble Il gusto barocco bestritt sie mehrere Konzerte. Seit 2011 ist sie festes Mitglied der Cappella Aquileia unter der Leitung von Marcus Bosch.

Filip Marius

Filip Marius studierte moderne Geige am Musikkonservatorium Klausenburg (Cluj-Napoca, Rumänien). Er setzte sein Studium an der Hochschule für Musik Trossingen mit dem Schwerpunkt auf Historische Aufführungspraxis im Fach Barockvioline bei Anton Steck und Rüdiger Lotter fort.

Er spielte zusammen mit Armonico Tributo, Musiche Varie, Il Gusto Barocco, Neue Hofkapelle München, Staatsoper Stuttgart, La Folia Barockorchester u. a. Er ist auch regelmäßig als Konzertmeister, Solist oder als Dozent gefragt. Verschiedene CD-, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen ergänzen seine künstlerische Tätigkeit.

„Die Sprache der Barockmusik hat mich schon seit meiner Jugend fasziniert. Die Vielfalt der Nuancen, Artikulationen und Affekte gibt mir das Gefühl eine Verschmelzung aus Konzert- und Theaterbühne zu erleben.“

Robert Sagasser.

Robert Sagasser

Robert Sagasser studierte in Hannover Viola da Gamba, Chor- und Ensemble­leitung und Blockflöte. Anschließend wechselte er für ein Aufbaustudium im Fach Viola da Gamba nach Freiburg und schloss seine Studien dort mit der Prüfung der Künstlerischen Reife ab. Seit 1994 lebt er im Raum Heidelberg und leitet dort mehrere Chöre und Orchester. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent arbeitet er als Musikpädagoge in Mannheim und Hockenheim.

Als gefragter Gambist und Violone­spieler wirkt er im In- und Ausland bei Konzerten, Rundfunk- und CD-Produktionen mit, unter anderem mit bekannten Dirigenten und Ensembles wie René Jacobs, Attilio Cremonesi, Peter Neumann, Christopher Moulds, der Akademie für Alte Musik Berlin, der Berliner Barock-Compagney, dem Ensemble Musiche Varie, dem Main-Barockorchester Frankfurt und La Gamba Freiburg.

Suzanne van Os

Suzanne van Os.

Suzanne van Os studierte zunächst Gitarre am Conservatorium in Zwolle (NL). Danach folgte ein Aufbaustudium für historische Lauteninstrumente bei Stephen Stubbs an der Akademie für Alte Musik, Bremen, sowie Meisterkurse bei Paul O’Dette, Pat O’Brien und Robert Barto. Als Lauten- und Chitarronespielerin wirkte sie bei zahlreichen Konzerten sowie an Rundfunk- und CD-Produktionen mit (u. a. Ensemble Musiche Varie, Les Amis, Telemann-Kammerorchester Michaelstein, Opernhaus Zürich, Oper Ulm; mdr, WDR, SDR, Radio Bremen). An der Musikschule in Germersheim leitet sie eine Gitarrenklasse. Bisher sind von ihr zwei Solo-CDs mit Werken des italienischen Lautenisten Hieronymus Kapsperger erschienen.

Martin Lubenow.

Martin Lubenow

Martin Lubenow absolvierte ein Musikstudium mit den Hauptfächern Trompete, Zink und Musiktheorie an der Kölner Musikhochschule, sowie Cembalo an der Folkwang-Hochschule Essen/Duisburg und Zink an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel. Neben seiner Konzert­tätigkeit als Zinkenist und Generalbass­spieler unterrichtete er von 1995 bis 2013 den Fachbereich „Historische Musiktheorie“ an der Musikhochschule Trossingen, wo er 2008 den Professorentitel erhielt. Außerdem ist er als Musikverleger tätig und gibt zahlreiche Kurse für alte Musik. Sein besonderes Interesse gilt der Musik des 17. Jahrhunderts.

Sowohl als Organist als auch als Zinkenist hat er an zahlreichen Rundfunk- und Schallplatten­produktionen teilgenommen und bei Konzerten im In- und Ausland mitgewirkt. Auch mit dem eigenen Ensemble Mvsiche Varie führten ihn Konzert­reisen durch ganz Europa. Die intensive Beschäftigung mit den originalen Quellen und damit zusammenhängend die Suche nach unbekannten Komponisten und Werken führte zur Gründung des Musikverlages Mvsiche Varie, der sich besonders mit der Musik des 17. Jahrhunderts beschäftigt. Das Verlags­repertoire umfasst weit über 250 verschiedene Titel. Ein Schwerpunkt der Verlags­tätigkeit ist die Rekonstruktion und Ergänzung unvollständig überlieferter Werke des 16. bis 18. Jahrhunderts.


Wir danken

Das Konzert steht unter der Schirmherrschaft des tschechischen Kultusministers, Mgr. Daniel Herman. Es findet in Zusammenarbeit mit dem Turistischem Informationszentrum Brünn und mit finanzieller Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und der Statutarstadt Brünn (Brno) statt.

Der Medienpartner fürs Konzert ist Radio Classic Praha.

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