Musikalische Leckerbissen

— Konzertreihe alter Musik —

180 Kč / 90 Kč / 60 Kč

Französischer Advent

Französische Motetten und Weihnachtslieder aus der Zeit des Sonnenkönigs, aufgeführt durch Lehrkräfte des Fachbereichs für Orgel und historische Interpretation der JAMU.

Freitag 16. Dezember 2016 19:30 — Maria-Himmelfahrt-Basilika, Mendlovo náměstí 1, 603 00 Brno, Tschechische Republik.Barrierefreier Zugang

Programm

Marc-Antoine Charpentier (1643 – 1704) Ouverture   (H. 483)
André Campra (1660 – 1744) Quemadmodum desiderat (Ps. 41)
Marc-Antoine Charpentier Praeludium   (H. 416)
André Campra Salve Regina (Pour la Sainte Vierge)
Marc-Antoine Charpentier Praeludium   (H. 414)
André Campra Jubilate Deo (Ps. 99)
Marc-Antoine Charpentier Simphonie   (H. 483)
Marc-Antoine Charpentier Noëls pour les instruments   (H. 534/2–6)
(Ou s’en vont ces guays bergers — Une jeune pucelle — A la venue de Noël — Or nous dites Marie — Joseph est bien marié)
André Campra Confitemini Domino (Pour la Sainte Vierge; Ps. 104)
André Campra Sub tuum praesidium (Pour la Sainte Vierge)
Marc-Antoine Charpentier Symphonie   (H. 482)
Marc-Antoine Charpentier Noëls pour les instruments   (H. 531/1–3, H. 534/1)
(O Createur — Laissez paistre vos bestes — Les Bourgeois de Chastre)
André Campra Ave Regina

►►►  Liedtexte.

Über das Programm

Buchmalerei: Ludwig XIV betet in der könglichen Kapelle von 1682. Ludwig XIV betet in der könglichen Kapelle von 1682.

Nach dem erfolgreichen Konzert Weihnachten in Versailles letztes Jahr bringt dieses Nachfolgekonzert in neuer Besetzung andere Stücke aus Frankreich während des Barocks. Es ist das einzige Adventskonzert in der Basilika in Alt-Brünn dieses Jahr, und gleichzeitig eine Präsentation der erst kürzlich gegründeten Abteilung für Orgel und historische Interpretations­praxis der Janáček-Akademie für Musik und darstellende Kunst. Die Aufführende sind Lehrkräfte der Abteilung und ihre Kollegen.

Dieses feierliche Konzert vermittelt die Atmosphäre von Advent und Weihnachten in Frankreich zur Zeit des Sonnenkönigs Ludwig des XIV. und seines Enkels, Ludwig XV. Der Hof beider Herrscher war in Versailles, wo auch die Schlosskapelle vom lebhaften Baubetrieb betroffen war. Sie wurde allmählich von einem Ort zum anderen verschoben; ihre fünfte und letzte Fassung (deren Dimensionen und Ausstattung unsere Vorstellungen vom Wort „Kapelle“ weit übertrifft) ist diejenige, die wir heute bewundern können. Für diesen großen und ernsten Raum schrieben die Hofkomponisten sakrale Musik für verschiedene Anlässe wie Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen, oder für eine feierliche Messe, um ein königlicher Geburtstag oder Staatsbesuche zu markieren. Die wohl berühmteste Melodie, die in diesem Bereich klang, war Lullys Te Deum von 1677, eine seiner grands motets.

Das Drehpunkt des heutigen Programms für Kammerensemble sind jedoch die eindrucksvollen und virtuosen sakralen Motetten für Solostimme von André Campra. Ihnen gegenüber stehen die französischen Volkslieder, die M.-A. Charpentier in seiner Messe de Minuit pour Noël vertonte, hier arrangiert für Gesang und instrumentales Kammerensemble.

André Campra (1660–1744) ist wohl der bemerkenswerteste französische Komponist zwischen Lully (Jean-Baptiste Lully, 1632–1687) und Rameau (Jean-Philippe Rameau, 1683–1764). Campra war selbst ein Geistlicher und dadurch ist die Tiefe seiner liturgischen Gesänge nicht verwunderlich. Am bekanntesten ist er aber als Autor französischer Opern und Ballette (L’Europe Galante).

Foto: Pavla Flámová

Pavla Flámová

Pavla Flámová wurde in Ostrava (Mährisch Ostrau) geboren. Von klein an widmete sie sich dem Gesang. Klassischen Gesangsunterricht erhielt sie am Janáček-Konservatorium in Ostrava bei der Opernsängerin Eva Dřízgová–Jirušová. Nach dem Abitur studierte sie zusätzlich Rechtswissenschaften an der Masaryk-Universität in Brno (Brünn), wo sie im Jahr 2011 den Titel „Magistra der Rechte“ erwarb.

Bereits während des Studiums am Konservatorium wurde ihr Interesse für die stilistische Interpretation Alter Musik geweckt. Im Jahr 2009 nahm sie an der Internationalen Sommerschule für Alte Musik in Valtice (Feldsberg) teil, wo sie den Kontakt zum Gesangslehrer Jiří Kotouč knüpfte, und später zu Jana Semerádová und Alena Hönigová. In 2013 wurde sie an der schweizerischen Schola Cantorum Basiliensis aufgenommen. Sie studierte Gesang bei Evelyn Tubb und Gerd Türk, stilistische Interpretation bei David Blunden, Improvisation bei Rudolf Lutz, und absolvierte Meisterkurse bei der italienischen Altistin Sara Mingardo, der britischen Sopranistin Emma Kirkby, dem Dirigenten Alessandro de Marchi und dem Countertenor Andreas Scholl. Das Studium schloss sie erfolgreich im September 2016 ab.

Foto: Pavla Flámová als Teilnehmerin des Meisterkurses Art of the Song unter Leitung von Evelyn Tubb (rechts); am Cembalo Barbara Maria Willi.
Janáček-Akademie in Brünn, 27.11.2012.

Zu ihren Erfolgen gehört die Teilnahme als Finalistin des Internationalen Gesangswettbewerbs „Handel Singing Competition“ in London im Jahr 2016, wo sie mit dem Selma D und Leon Fishbach-Gedächtnispreis ausgezeichnet wurde. Sie erzielte ebenfalls Erfolg in anderen Wettbewerben; im Jahr 2012 wurde sie mit dem Preis für stilistische Interpretation beim Ad honorem Mozart-Wettbewerb in Prag ausgezeichnet.

Sie lebt derzeit in Basel und konzentriert sich auf Konzertaktivitäten, unter anderen in der Schweiz, Deutschland, England und Ungarn. Sie arbeitet mit verschiedenen Ensembles, Dirigenten und Organisten zusammen, zum Beispiel mit Andrea Marcon und Laurence Cummings. In der Tschechischen Republik trat sie mit der Janáček-Philharmonie Ostrava, dem Orchester Berg, Collegium Marianum, dem Organist Jaroslav Tuma und vielen anderen auf.

Foto: Marta Kratochvílová

Marta Kratochvílová

Marta Kratochvílová studierte Querflöte am Konservatorium in Pardubice und danach an der Janáček-Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brünn. Im Jahr 2000 begann sie ihr Studium in Frankreich am Conservatoire National de Région de Strasbourg, wo sie sich auf Barock- und Renaissancetraversflöte bei J. F. Alizon und N. Hadden spezialisierte, sowie auf Kammermusik bei M. Gester und P. Blanca. Sie nahm in Meisterkursen und Workshops teil, u. a. unter der Leitung von prominenten Persönlichkeiten wie Paul McCreesh, Barthold Kuijken, Jan Latham-Koenig und Sir Neville Marriner. In Frankreich war sie bis 2010 intensiv als Spielerin der Barock- und Renaissanceflöte tätig, z. B. in den Ensembles Le Parlement de Musique, Bohemia Duo und Notabene. Im Rahmen von Renaissance-Workshops (Ferrara, München, Stuttgart, Basel) trat sie regelmäßig mit dem Consort der Renaissanceflöten in Straßburg auf.

Sie lebt derzeit in der Tschechischen Republik und tritt regelmäßig in ganz Europa auf. Sie führt vor Allem Kammer- und Soloprojekte durch, darunter mit Künstlern wie Christophe Coin, Jan Čížmář, Karel Fleischlinger, Joel Frederiksen, Martin Jakubíček, Petr Kolař, Ján Krigovský, Marcin Świątkiewicz, Marc Vonau, Petr Wagner, und mit den Ensembles {oh!} Orkiestra Historyczna und Plaisirs de Musique; vom letzteren ist sie Gründungsmitglied. Sie ist auch künstlerische Leiterin von Tourdion, ein Consort für Renaissance-Traversflöten.

Als Lehrerin mit langjähriger Erfahrung wird sie für Präsentationen und Meisterklassen in ganz Europa eingeladen, und lehrt auch privat das Spielen auf und die historische Interpretationspraxis von Barock- und Renaissance-Traversflöten.

Foto: Michaela Ambrosi

Michaela Ambrosi

Michaela Ambrosi ist Quer-, Travers- und Blockflötistin sowie Musikpädagogin und -forscherin. Sie studierte am Prager Konservatorium (Jakub Kydlíček), an der Karlsuniversität in Prag (Jana Semerádová) und am Königlichen Konservatorium in Den Haag (Wilbert Hazelzet, Kate Clark). Weiterführenden Unterricht erhielt sie am Conservatorio „Evaristo Felice Dall’Abaco“ in Verona (Marcello Gatti) im Rahmen des Erasmus-Programms, und durch Privatunterricht in London (Lisa Beznosiuk). Michaela hat ihr Spiel durch Konsultationsstunden bei vielen renommierterten Musiker/innen aus Europa, Amerika, Japan und Australien verfeinert und ist in ihrer relativ kurzen musikalischen Karriere bereits mit den besten europäischen Barockorchestern aufgetreten. Zu ihren jüngsten Erfolgen gehört die Einladung zur Mitarbeit als erste Flötistin des European Union Baroque Orchestra (EUBO) für die Saison 2016/2017.

Neben ihrer Konzertaktivitäten unterrichtet Michaela Blockflöte am Brünner Konservatorium und Traversflöte an der Janáček Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brünn, wo sie auch an ihrer Dissertation arbeitet.

Petr Wagner

Foto: Petr Wagner

Petr Wagner studierte Cello am Prager Konservatorium und Musikwissenschaften an der Karlsuniversität in Prag und an der Royal Holloway University of London. Viola da Gamba studierte er zunächst bei Richard Boothby in London, dann bei Jaap ter Linden an der Akademie für Alte Musik in Dresden. Den Abschluss seines Viola da Gamba-Studiums war unter der Leitung von Wieland Kuijkena am Königlichen Konservatorium in Den Haag.

Als Solist, Kammer- und Continuo-Spieler trat er auf zahlreichen europäischen und überseeischen Bühnen auf (Queen Elizabeth Hall/Southbank Early Music Series London, das Festival Île-de-France, Festival für Kunst und Spiritualität (Troyes, Frankreich), Mexiko-Stadt Shakespeare-Festival, Musikfestival „Prager Frühling“, Festival Mitte Europa, Forum Musicum Breslau, Concentus Moraviae usw.) und arbeitete mit herausragenden Persönlichkeiten wie Jacques Ogg, Andrew Parrott, Konrad Junghänel, Sirkka-Liisa Kaakinen, Shalev Ad-El, Wilbert Hazelzet, Philip Pickett sowie mit den Ensembles New London Consort, Capella Cracoviensis, Musicians of the Globe, Concerto Palatino, Orfeo Orchestra, Collegium 1704, Solamente Naturali, Musica Florea usw.

Im Jahr 1998 gründete Petr Wagner das Ensemble Tourbillon, das sich auf Musik der 17. und 18. Jahrhunderte konzentriert, mit Musik von Couperin, Bach, Marais, Rebel, Purcell, Finger, Fischer und Händel.

Petr Wagners Solo-CDs haben ausnahmslos begeisterte Kritiken weltweit gewonnen. Seine Aufnahmen von den kompletten Pièces de Viole von Charles Dollé und von der Kammermusik des tschechischen Barock-Komponisten Gottfried Finger werden zu den international herausragenden Aufnahmen gerechnet. Im Jahr 2011 erschien bei dem renommierten Label ACCENT seine Ersteinspielung der Pièces de Viole von Roland Marais, die sofort bestens empfangen wurde (Choc du mois / CLASSICA, Diapason usw.). In 2013 erschien beim gleichen Label die CD „Gottfried Finger: The Complete Music Musik for Viola da Gamba Solo“ mit Petr und seinem Ensemble Tourbillon.

Petr Wagner lehrte Viola da Gamba an der Musikakademie in Breslau; derzeit unterrichtet er u. a. an der Akademie für Alte Musik in Brünn.

Foto: Barbara Maria Willi

Barbara Maria Willi

Barbara Maria Willi ist eine gefragte Spezialistin für Historische Tasteninstrumente. Ihre Studien in Freiburg, Strasbourg und ihr Aufbaustudium am Mozarteum in Salzburg schloss sie 1995 mit Auszeichnung ab. Im gleichen Jahr gewann sie einen „Prix d’encouragement – special mention“ im Internationalen Cembalowettbewerb in Brügge. Als Cembalistin und Interpretin auf dem Hammerflügel arbeitete sie mit führenden Solisten wie Sergio Azzolini, Anna Fusek, Doron Sherwin oder Jos van Immerseel zusammen und war auf bedeutenden Podien wie dem Prager Rudolfinum, dem Opernhaus Zürich, im Concertgebouw Utrecht oder im Wiener Konzerthaus zu hören.

Zusammen mit dem britischen Geiger John Holloway und dem Lautenisten Nigel North hat sie neuentdeckte Schmelzer-Sonaten aufgenommen, die einen Preis der Deutschen Schallplattenkritik gewonnen haben und in Amerika Furore machten (Fanfare und American Record Guide 2001). 2000 verwirklichte sie mit der Sopranistin Magdalena Kožená und dem Kontratenor Thierry Grégoire ein Händel-Projekt im Rahmen des Festivals Concentus Moraviae. Die Fernsehaufzeichnung dieses Konzerts gewann den prestigeträchtigen Fernsehpreis Goldenes Prag. Die Zusammenbarbeit mit Magdalena Kožená ging weiter mit einer CD-Aufnahme mit der Prager Kammerphilharmonie für die Deutsche Grammophon. Einen weiteren bedeutenden Preis gewann Barbara Maria Willi mit der Schola Gregoriana Pragensis und dem belgischen Vokalensemble Capilla Flamenca. Die französische Musikkritik zeichnete das gemeinsame CD-Projekt mittelalterlicher tschechischer Musik unter dem Titel „Salve Mater“ mit dem bedeutenden Preis „choc du monde de musique“ aus.

Die Cembalistin ist in Tschechien ein beliebter Gast von TV-Shows, z.B. mit Marek Eben, ihr Portrait ist im online-server des Tschechischen Fernsehens unter dem Titel „Bravo–Barbara Maria Willi“ abrufbar. Barbara Maria Willi war 2005 Jurorin des Internationalen Cembalowettbewerbs im Rahmen des Festivals Prager Frühling. In Brno hat sie eine erfolgreiche Konzertserie unter dem Titel „Barbara Maria Willi stellt vor“ gegründet und ist Leiterin der Abteilung für Alte Musik an der dortigen Musikhochschule.

Foto: Jan Čižmář

Jan Čižmář

Jan Čižmář ist ein vielseitiger Interpret mit Spezialgebiet historische Zupfinstrumente. Er tritt regelmäßig in Europa, Asien und den USA auf, u. a. mit dem Concertgebouw-Orchester, dem Orchestra of the Age of Enlightenment, Orchester des 18. Jahrhunderts, Rotterdams Philharmonisch Orkest und der Capella Cracoviensis, sowie unter Dirigenten wie Frans Brüggen, Christopher Hogwood, Giovanni Antonini, Yannick Nézet–Séguin und Christina Pluhar. Er gibt auch Solokonzerte mit Barock- und Renaissancemusik und ist künstlerischer Leiter des Ensemble Plaisirs de Musique.

Nach dem Studium der Gitarre und Musikwissenschaften in seiner Geburtsstadt Brünn studierte er bei Jakob Lindberg an der Royal College of Music in London, wo er begann die Laute zu spielen. Danach studierte er am Koninklijk Conservatorium in Den Haag bei Nigel North, Joachim Held, Mike Fentross and Christina Pluhar.

Er gründete und war Herausgeber der tschechischen Zeitschrift Kytara (Die Gitarre) und schreibt regelmäßig für andere Musikzeitschriften. Er ist auch intensiv mit Verlags- und Forschungsaktivitäten im Bereich der Alten Musik beschäftigt. In 2010 gründete er die Hudební lahůdky (Musikalische Leckerbissen), deren künstlerischen Direktor er ist.

Jan Čižmář unterrichtete Laute und verwandte Instrumente an der Karol-Szymanowski-Musikakademie in Katowice (Kattowitz, Polen); derzeit unterrichtet er an der Janáček-Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brünn und an der Akademie für Alte Musik der Masaryk-Universität in Brünn. Er gibt regelmäßig Kurse und Masterclasses in Europa und im Übersee.


Wir danken

Das Konzert steht unter der Schirmherrschaft des tschechischen Kultusministers, Mgr. Daniel Herman. Es findet mit finanzieller Unterstützung der Statutarstadt Brünn (Brno) statt.

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