Musikalische Leckerbissen

— Konzertreihe alter Musik —

250 Kč / 150 Kč / 90 Kč

Per cembalo obligato e flauto traverso

Eine musikalische Reise durch Europa um 1735 — Sonaten für Traversflöte und obligates Cembalo.

Donnerstag 29. Juni 2017 19:30 — Altes Rathaus (Kristallsaal), Radnická 8, 602 00 Brno, Tschechische Republik.

Programm

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Partita e-Moll, Op. 1  6   (BWV 830)
Toccata — Allemande — Corrente — Air — Sarabande — Tempo di Gavotta — Gigue
Joseph Bodin de Boismortier (1689 – 1755) Sonate e-Moll, Op. 91  4
Gayement — Gracieusement — Gayement
 
Georg Philipp Telemann (1681 – 1767) Fantasia  3, h-Moll   (TWV 40:4)
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Sonate h-Moll   (BWV 1030)
Andante — Largo e dolce — Presto

Über das Programm

Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, die Zeit des Hochbarocks, war in Deutschland durch die Vermischung der europäischen musikalischen Stile charakterisiert. Musiker aus Italien, Frankreich und Böhmen kamen zu den großen Musikzentren wie Dresden, Berlin und Leipzig und bereicherten sich gegenseitig mit ihren kompositorischen und interpretatorischen Erfahrungen. Johann Joachim Quantz, ein führender deutscher Flötist, Komponist und Verfasser des berühmten Lehrbuchs Versuch einer Anweisung, die Flöte traversière zu spielen schreibt selbst, dass die deutsche Musik eigentlich eine Synthese der französischen und italienischen sei. In diesem Programm werden Sie Musik von J. S. Bach hören, die von beiden Stilen inspiriert ist; dazu ein Werk G. Ph. Telemanns, das unter anderem von der polnischen Volksmusik beeinflusst ist, sowie eine Sonate von J. B. de Boismortier, der zwar Franzose war, in seinen Kompositionen jedoch nicht den modischen italienischen Einfluss verschmähte.

YouTube-Video: Bach: Partita 6 (e-Moll), Sarabande.
Gemälde: Johann Sebastian Bach. Johann Sebastian Bach

Die Partita in e-Moll veröffentlichte Johann Sebastian Bach als die 6. seiner Cembalopartiten. Eine erste Fassung steht im Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach (1725), gedruckt wurde sie als Einzelwerk 1730 und erschien dann zusammen mit den fünf anderen Partiten 1731 unter dem Titel Clavir-Übung als sein Opus I. Besonders mit ihren ersten beiden Sätzen ist sie deutlich vom italienischen Stil beeinflusst: Air und Tempo di Gavotta sind im galanten Stil; in der Sarabande und Gigue gibt es rhythmische Rafinessen, worin man das für Bach so typische Bemühen spürt, selbst kleine Details schriftlich festzuhalten.

Gemälde: Joseph Bodin de Boismortier. Joseph Bodin de Boismortier

Joseph Bodin de Boismortier, geboren in Thionville, kam im Jahre 1724 nach Paris und wurde einer der produktivsten und beliebtesten Komponisten in Frankreich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Obwohl er Fagottist war, widmete er den größten Teil seiner Arbeit der Flöte, die damals ein sehr beliebtes Instrument war. Joachim Christoph Nemeitz (1679–1753) schrieb in seinem Reisetagebuch Séjour de Paris (1727), dass das Cembalo und die Querflöte zu diesem Zeitpunkt die beliebtesten und modischsten Musikinstrumente in Paris waren; gemäß Nemeitze spielten die Franzosen auf diesen Instrumenten mit einer Zartheit, die nicht ihrer Gleichen hatte. Die Sonates pour un clavecin et une flûte traversière Opus 91 wurden 1741 herausgegeben; sie sind Michel Blavet gewidmet, einem der bedeutendsten französischen Flötenvirtuosen dieser Zeit. Seine Bewunderung für Blavets Interpretationskunst drückt Boismortier in einem Gedicht aus (A Mercure, Toy que l’éloquence appuya), womit er Blavets Spielkunst rühmt.

Gemälde: Georg Philipp Telemann. Georg Philipp Telemann
Bach: Sonate h-Moll (Autograph) — H moll Sonata al Cembalo obligato e Flauto traverso composta Giov. Sebast. Bach — Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Mus. ms. autogr. P Bach 275. Bach: Sonate h-Moll (Autograph)

Die Fantasia Nº 3 von Georg Philipp Telemann ist Teil eines Zyklus von 12 Fantasien für Flöte, die Telemann in 1727–28 in Hamburg gravieren und veröffentlichen ließ. Das einzige erhaltene Exemplar der ersten Ausgabe wird auf der Titelseite als Fantasia per il Violino, senza Basso bezeichnet; Telemanns Namen ist nur mit Bleistift zugefügt. Die Tatsache, dass es sich um eine Fantasie für Flöte solo handelt, erfahren wir nur aus Telemanns Autobiographie. Obwohl die Ausgabe keine konkrete Widmung enthält, waren die Fantasien wahrscheinlich den Brüdern Burmester in Hamburg gewidmet, zwei Laienmusiker (Violine, Flöte), für die Telemann in dieser Periode die meisten seiner Kammermusikwerke komponierte. Der Name Fantasia besagt schon, dass es sich um eine unkonventionelle Form handelt, die uns beschwört, die interpretatorische Freiheit walten zu lassen. Telemann ist tatsächlich sehr unkonventionell; jede Fantasie unterscheidet sich in Form und Struktur. Einige erinnern eher an Tanzsuiten, etliche wiederum an Sonaten und andere verbinden beide Formen zusammen. Jede Fantasie endet mit einem Tanzsatz, von denen einige von polnischer Folklore inspiriert sind. Jede Fantasie ist auch in einem anderen musikalischen Stil geschrieben; hier vermischen sich die französischen, italienischen und deutschen Stile. Interpretatorisch wird den Aufführenden viel Freiheit belassen, vor allem bezüglich des Einsatzes von Ornamenten.

Die h-Moll Sonate für Flöte und Cembalo von Johann Sebastian Bach hat in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte Position innerhalb des Flötenrepertoires des 18. Jahrhunderts. Erhalten sind Bachs Autograph und vier weitere Kopien aus dem 18. Jahrhunderts, die die Beliebtheit und Popularität der Sonate schon seit ihrer Entstehung bezeugen. Trotz der Tatsache, dass die meisten Instrumentalwerke von Bach während seiner Zeit in Köthen (1717–1723) entstanden sind, stammt diese Sonate gemäß einer Untersuchung des Papiers und der Schrift eher aus den Jahren 1736–1737, wo Bach in Leipzig als künstlerischer Leiter des Collegium Musicum wirkte, das jede Woche Konzerte im Café Zimmermann gab. Die h-Moll-Sonate könnte also für einen von Bachs Söhnen, den talentierten Flötisten Johann Gottlieb Bernhard geschrieben sein. Leider wissen wir aus den zur Verfügung stehenden Quellen nicht, ob diese spieltechnisch anspruchsvolle Sonate für einen bestimmten Künstler bestimmt war. — Sonate für Flöte mit obligatem Cembalo war eine der beliebtesten musikalischen Formen des Hochbarocks. Sie entwickelte sich wahrscheinlich aus der populären Form der Triosonate, wird aber in diesem Fall von zwei Musikern gespielt. So ersetzt die Melodie, die die rechte Hand des Cembalisten spielt, oft die Stimme eines zweiten Flötisten oder Violinisten; die Cembalostimme ist also der Flötenstimme gleichberechtigt. Im Falle der h-Moll-Sonate ähnelt der erste Satz in Aufbau, Stimmführung und Dichte der Stimmen jedoch eher die Konzertform eines Doppelkonzerts in einem reduzierten Arrangement für Flöte und Cembalo, wobei das Cembalo vielleicht noch wichtiger als die Flöte ist; auf der Titelseite des Manuskripts wird es an erster Stelle angezeigt. Der zweite Satz ist auf der Melodielinie der Flöte aufgebaut, begleitet „nur“ von Generalbass. Der dritte Satz ist eine dreistimmige Fuge; danach präsentiert der vierte Satz eine komplizierte Gigue im Stil einer Triosonate mit zwei Melodiestimmen, begleitet von Basso continuo.


Radka Kubínová.

Radka Kubínová

Radka Kubínová, aus Hradec Kralove (Königgrätz) gebürtig, widmet sich der Musik seit ihrem 6. Lebensjahr, zunächst dem Gesang und der Blockflöte, ab 9 Jahren dann der Querflöten. Nach ihrem Abschluss vom Konservatorium in Pardubice in 2005 setzte sie ihr Studium an der Universität Ostrava (Ostrau) fort, das sie in 2010 mit dem Magistergrad abschloss. Während des Studiums in Ostrava sammelte sie internationale Erfahrung in Rennes (FR), wo sie Flöte bei Gionata Sgambaro studierte und begann sich der Traversflöte bei Delphine Leroy und François Nicolet zu widmen. Von 2010–2014 studierte sie historische Flöten bei Barthold Kuijken am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Während ihres Studiums nahm sie an vielen Meisterklassen teil, zum Beispiel bei Patrick Gallois, Clara Novak, Vincent Lucas, Frank Theuns, Barthold Kuijken, Jan Ostrý und anderen. Seit 2015 ist sie Doktorandin an der Universität Ostrava im Bereich Theorie der Interpretation und unterrichtet am Kirchlichen Konservatorium in Bratislava (Pressburg).

Michael Führer.

Radka tritt regelmäßig mit verschiedenen Ensembles auf wie Luthers Bach Ensemble, L’arco sonoro, The Bach Choir & Orchestra of the Netherlands, The Consort for 18th Century Harmony, Le concert d’Apollon (NL), Collegium Marianum (CZ), Musica Aeterna (SK) und anderen. Sie erscheint regelmäßig beim Festival Oude Muziek Utrecht (NL) und bei Les nocturnes du Mont Saint-Michel (FR).

Michael Führer

Michael Führer, in Köln geboren, lernte während der Schulzeit Cembalo bei Annemarie Bohne und besuchte viele Kurse bei Gustav Leonhardt. Er studierte Kirchenmusik in Köln (Rudolf Ewerhart, Heino Schubert) und Düsseldorf (Bernhard Orlinski) und Cembalo in Antwerpen (Jos van Immerzeel) und Köln (Hugo Ruf) sowie Musikwissenschaften (Universität zu Köln). Darüber hinaus besuchte er zahlreiche Meisterkurse in Innsbruck, Pistoia, Haarlem usw. mit Colin Tilney, Alan Curtis, Guy Bovet, Ewald Kooiman, Ton Koopman, Nicholas Kynaston, Daniel Roth usw.

Als Kantor in Heimbach/Eifel (1975–1988), Neuss (1988–2011) und Grevenbroich (2011–2015) leitete er verschiedene Chöre, betreute Orgelbauten und spielte und organisierte zahlreiche Konzerte. Auch konzertierte er u. a. mit dem Studio für Alte Musik Düsseldorf (Helga Thoene, Petra Müllejans usw.), dem Robert-Schumann-Kammerorchester (Jürgen Kussmaul), dem Bach-Verein Köln (Christian Collum), der Bonner Bach-Gemeinschaft (Herbert Ermert), dem Aachener Bachverein (Wolfgang Karius). Er gab Orgelkonzerte an historischen Orgeln, u. a. in Kiedrich, Marienmünster und Steinfeld und wurde an viele Orgelfestivals eingeladen, u. a. Sommerakademie für Alte Musik (Innsbruck), Festival international de l’orgue ancien (Sion), Internationale Orgelkonzerte (Braunschweig), Accademia Maestro Raro (Piacenza). Aufnahmen für CDs und Rundfunk ergänzen seine Tätigkeit.

Er hat mehrere Tasteninstrumente gebaut (einige davon werden auf seiner CD „My Virginals“ vorgestellt) und außerdem historische Instrumente restauriert und Orgeln intoniert.


Wir danken

Das Konzert steht unter der Schirmherrschaft des tschechischen Kultusministers Mgr. Daniel Herman, des Hauptmanns der Region Südmähren JUDr. Bohumil Šimek und des Oberbürgermeisters der Statutarstadt Brünn Ing. Petr Vokřál.

Es findet mit finanzieller Unterstützung der Statutarstadt Brünn (Brno) statt.

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