Musikalische Leckerbissen

— Konzertreihe alter Musik —

„Kleines Genie unter Riesen“

Konzert zum 200. Todesjahr von Georg Druschetzky.

Sonntag 8. September 2019 18:00 — Schloss Kunín, Kunín 1, 742 53 Kunín, Tschechische Republik.

Ausführende

Grundmann-Quartett (DE):
 
Foto: Grundmann-Quartett.

Programm

Georg Druschetzky (1745 – 1819) Quartett für Oboe und Streichtrio in F
Allegro moderato — Menuetto. Allegretto — Adagio. Allegro
Franz Schubert (1797 – 1828) aus Streichtrio in B, D581 (2. Fassung)
Allegro moderato
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) aus Quartett in B für Oboe und Streichtrio
(nach Streichquartett KV 458 eingerichtet von Eduard Wesly)

Adagio — Allegro assai
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) aus Streichtrio in G, op. 9 Nr. 1
Adagio — Allegro con brio
Georg Druschetzky (1745 – 1819) Quartett für Oboe und Streichtrio in C
Allegro — Menuetto. Allegretto — Andante — Rondo

Über das Programm

Das Grundmann-Quartett bringt Handschriften aus der Széchényi-Nationalbibliothek Budapest zum Klingen, Oboenquartette von Georg Druschetzky, Musik voller Witz, subtil, farbig, unterhaltend, überraschend.

Gemälde: Georg Druschetzky.

Es ist ein besonderer Glücksfall, im Schatten von Riesen der Musikgeschichte heutzutage ein kleines unbekanntes Genie zu entdecken, dessen Kompositionen Interpreten und Hörer gleichermaßen faszinieren und sogar nach wiederholter Begegnung zunehmend interessieren.

Lebensdaten und Werke der Riesen dieses Programms – Mozart, Schubert und Beethoven – sind hinlänglich bekannt oder in vielen Quellen zu finden, ihre Werke füllen die Konzertsäle auf der ganzen Welt. Die Lexika der Tonkünstler seit 1790 nennen Georg Druschetzky nur mit wenigen Zeilen, seine Musik ist heute weitgehend unbekannt.

Georg Druschetzky, 1745 in Jemníky (Gemnik) in Westböhmen geboren, erhielt Unterricht bei dem berühmten Oboenvirtuosen Alessandro Besozzi am Dresdner Hof. Von 1762 bis 1780 wirkte er in Österreich, danach in Ungarn. Er war bis 1775 Mitglied der österreichischen Armee, galt als großer Paukenvirtuose, förderte das Musikleben in Linz, war verlegerisch tätig und wurde 1783 Mitglied der Tonkünstler-Societät in Wien. Seine Bläserkompositionen waren nicht nur in der kaiserlichen Armee allgemein bekannt, er schrieb für führende Ensembles seiner Zeit, dirigierte seine Musik bei den Krönungsfeierlichkeiten für Leopold II. Sein Weg führte ihn über Pressburg nach Budapest, wo er schließlich die Leitung der Harmoniemusik des ungarischen Palatin, Erzherzog Joseph von Habsburg übernahm. Seine Kompositionen sind in den Bibliotheken ganz Mitteleuropas anzutreffen. Das spricht für die einstmals große Beliebtheit und Verbreitung dieses heute vergessenen Komponisten. Die einzigartige Bedeutung besonders seiner Bläsermusik wird heute wieder neu entdeckt.

Vor den Riesen verbeugt sich Druschetzky hochachtungsvoll auf musikalische Weise: Ein Andante in Variationsform bringt das B-A-C-H Zitat. In einem Oboenquartett verwendet er das Andante Mozarts aus der Sonate für Klavier zu vier Händen (KV 501). Mozarts Die Zauberflöte und Haydns Die Jahreszeiten und Die Schöpfung arrangiert er für das mit Bläsern besetzte Harmonie-Ensemble.

Grundmann-Quartett

Das Grundmann-Quartett, gegründet 2010, hat sein Zuhause in Radebeul, Deutschland. Es spielt Werke von Druschetzky, Mozart, J. S. und J. C. Bach, Schostakowitsch und Janáček. Neben Oboenquartetten befinden sich Streichtrios von Mozart, Beethoven, Eybler und Hummel in seinem Repertoire. Außerdem musiziert es, gemeinsam mit Bariton Florian Götz, Lieder von Schubert (Die Winterreise) und Mahler (Des Knaben Wunderhorn). Viele Werke aus seinem Repertoire sind Bearbeitungen speziell für dieses Quartett, angefertigt von seinem Oboisten Eduard Wesly.

Das Grundmann-Quartett gab Konzerte in Madrid, Amsterdam, Budapest, Prag, Dresden, Ústí nad Labem (Aussig), Brașov (Kronstadt), Dippoldiswalde, Moritzburg u.a.

Namensgeber des Quartetts ist Jakob Friedrich Grundmann (1727–1800, geboren und gestorben in Dresden), einer der berühmtesten Oboenhersteller in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts.

Das Grundmann-Quartett spielt auf folgenden Instrumenten:

Eduard Wesly

Foto: Eduard Wesly.

Eduard Wesly, geboren und aufgewachsen in Amsterdam, ist von Bas Prinsen, Carlo Ravelli und Jan Spronk im Oboenspiel unterwiesen worden. Danach spielte er elf Jahre lang im Rohrblattensemble Calefax. Seit einigen Jahren konzentriert er sich auf die Musik und die Oboen des achtzehnten Jahrhunderts. Er sammelte wertvolle Erfahrungen bei den English Baroque Soloists mit John Eliot Gardiner, bei Musica Antiqua Köln mit Reinhard Goebel und bei Al Ayre Español mit Eduardo Lopez Banzo. Heutzutage ist er Mitglied des Orchestra Libera Classica in Tokyo und spielt freischaffend bei verschiedenen Orchestern in Europa und Australien.

Foto: Ulrike Titze.

Ulrike Titze

Ulrike Titze studierte in Dresden Violine und war anschließend Mitglied der Staatskapelle Weimar. Sie ist Mitbegründerin des Dresdner Barockorchesters und leitete dieses als Konzertmeisterin über 25 Jahre. An der Dresdner Musikhochschule unterrichtete sie im Fach Barockvioline. Im Rahmen Internationaler Bachakademien und als gastierende Konzertmeisterin ist sie regelmäßig von Musikhochschulen, Orchestern und Festivals innerhalb Deutschlands, nach Rumänien, in die Ukraine und Türkei eingeladen. Mit besonderer Leidenschaft widmet sie sich der Kammermusik.

Bettina Ihrig

Foto: Bettina Ihrig.

Bettina Ihrig studierte Viola in Hannover (bei Heinz-Otto Graf und Jacob Zeijl) und Salzburg (bei Thomas Riebl) und sammelte Orchestererfahrung in der Jungen Deutschen Philharmonie und im Bielefelder Philharmonischen Orchester. Heute ist sie freischaffend tätig und widmet sich intensiv der historischen Aufführungspraxis. Sie ist Mitglied der Hannoverschen Hofkapelle, der Neuen Düsseldorfer Hofmusik und des Ensembles La Ricordanza und spielt als Gast u. a. im Barockorchester L’Arco, im Ensemble Schirocco Hamburg, bei La Festa Musicale und der Lautten Compagney Berlin.

Foto: Ulrike Becker.

Ulrike Becker

Ulrike Becker studierte an den Hochschulen für Musik in Weimar und Berlin Violoncello und schloss ein Studium für Viola da gamba an, welches sie mit dem Konzertexamen beendete. Sie ist ständiges Mitglied der Lautten Compagney Berlin, mit welcher sie mehrere viel beachtete CDs einspielte (Echopreisträger). Das sehr breit gefächerte Programm dieses Ensembles erlaubt es ihr, sowohl Oper, als auch Konzert, frühbarocke bis klassische Werke auf beiden Instrumenten zu erarbeiten und in viel beachteten Konzerten zu Gehör zu bringen. Seit 2007 editierte sie zahlreiche Werke, vor allem aus dem Archiv der Singakademie zu Berlin, aber auch die Edition Reznicek hat sie unter Vertrag.


Wir danken

Das Konzert findet mit finanzieller Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und des Staatsfonds der Kultur der Tschechischen Republik statt.

Česko-německý fond budoucnosti Státní fond kultury České republiky