Musikalische Leckerbissen

— Konzertreihe alter Musik —

Musiker auf Reisen zwischen Prag und Wien

Fahrende Musiker — Auf dem Weg zwischen Prag und Wien: Internationalität an Habsburger Höfen.

Mittwoch 5. August 2020 19:00 — Archäologisches Institut, Mikulčice 736, 696 19 Mikulčice-Trapíkov, Tschechische Republik.  (Barrierefreier Zugang)

Falls Sie nicht zu diesem Konzert kommen können, können Sie eines unserer Konzerte mit ähnlichem Programm auf YouTube erleben.

Ausführende

Ensemble Phoenix Munich:

Joel Frederiksen

Programm

Giovanni Felice Sances (1600 — 1679) Stabat mater (Pianto della Madonna)
Giovanni Felice Sances (1600 — 1679) Dominus possedit me
Leopold I. (1640 — 1705) Ciaconna
Pavel Josef Vejvanovský (cca. 1633 — 1693) Quid quid agam
Pavel Josef Vejvanovský (cca. 1633 — 1693) O bona crux
Gottfried Finger (cca. 1660 — 1730) Suite A-Dur
Prelude — [Gavotte] — Ciaconne
Samuel Friedrich Capricornus (1628 — 1665) Exaudi me Domine quoniam benigna est

Über das Programm

Mobilität gehört seit jeher zum Musikerberuf. Ensemble Phoenix Munich wirft einen Blick auf die Wirkungsgeschichte von Komponisten der Barockzeit, die es bevorzugt an die Habsburger Höfe zog.

Es erklingen virtuose Solomotetten des in Rom gebürtigen Giovanni Felice Sances (1600–1679), darunter das Stabat mater für Sopran oder Dominus possedit me für Bass. Sances wirkte ab 1636 als Sänger, später Kapellmeister an der Wiener Hofkapelle. Seine Kompositionen hätten heutzutage mehr Aufmerksamkeit verdient.

Ein Salve Regina (Rekonstruktion der fehlende Sopranstimme: Domen Marinčič) des aus Böhmen stammenden und am Anfang seiner Karriere in Kremsier (Kroměříž) tätigen Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber (1644–1704) ist eine interessante Rarität. Die von EPM neu transkribierten geistlichen Werke des Komponisten und Trompeters Pavel Josef Vejvanovský (ca. 1633–1693) lassen noch deutlich den Einfluss seines am Kremsier Hof tätigen Vorgängers H. I. F. Biber erkennen.

Solowerke für Laute des aus Olmütz stammenden Gottfried Finger (ca. 1660–1730) bereichern die musikalische Reise. Seine berufliche Laufbahn führte ihn neben London auch an viele Orte in Deutschland.

Omnes sancti angeli von Antonio Bertali (1605–1669) für Bass, Violinen und Continuo zeigt das dramatische Können eines Komponisten, der Opern, Oratorien, liturgische Werke und Kammermusik für den Hof in Wien schrieb. In Verona geboren, war er vor Sances als Kapellmeister am Wiener Hof beschäftigt. Ein Großteil seiner Arbeiten ist dank Kopien seines Zeitgenossen Pavel Josef Vejvanovský überliefert, wovon einige im berühmten Kroměříž-Archiv aufbewahrt werden.

Samuel Friedrich Capricornus (1628–1665) war ein tschechischer Komponist, der wie Sances und Bertali als Musiker in Wien arbeitete, bevor er sich als Kapellmeister in Stuttgart niederließ. EPM präsentiert einige Kostbarkeiten wie sein Exaudi me Domine und Jauchzet dem Herrn alle Welt für Sopran und Bass, Violine und Continuo. Ferner wird eine Sonate für Gamba, Violinen und Continuo aufgeführt, die Bertali zugeschrieben wurde, aber tatsächlich aus der Feder Capricornus’ stammt, — vielleicht konnte sie sich mit Bertalis Namen besser verkaufen?


Wir danken

Das Konzert findet mit finanzieller Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, der Kulturförderung des Bezirks Oberbayern, des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und des Tschechischen Zentrums München statt.

Česko-německý fond budoucnosti Archeologický ústav AV ČR v Brně