Musikalische Leckerbissen

— Konzertreihe alter Musik —

Foto: Teynkirche.

Melodien aus Anno Dazumal

Renaissance- und Barockmusik aus allerlei Quellen, ausgesetzt für Lauten­ensemble.

Mittwoch 25. November 2020 19:00 — Online-Konzert, Liptau-Sankt Nikolaus (Liptovský Mikuláš), Slowakei.

Findet im Rahmen des Projektes Bohemian Lute Orchestra – Tour 2020 statt.

Aufgrund der derzeitigen epidemiologischen Maß­nahmen kann die Öffentlichkeit dieses Konzert nur on-line besuchen.
Freiwilliger Eintritt (Vorschlag 150 Kč / 90 Kč bzw. 4,00 € / 2,25 €)

Ausführende

Bohemian Lute Orchestra:

Programm

Kupferstich.
Aegidius Sadeler (1570–1629), Ansicht von Prag (1606).
Steinbrücke oder „Karlsbrücke“ — Altstädter Brückenturm.
Anonym Pavana La cornetta
Anonym
Pierre Blondeau
Basse dance La magdalena   (P. Attaignant: Neuf basses dances, 1530)
Tourdion   [Tourdion]
Anonym Paduana Hispanica   (CJ fol. 20v)   [Noc na Karlštejně]
Anonym Basse dance La gatta en italien   (P. Attaignant, 1530)
Basse dance La scarpa my faict mal
Anonym Pavane La morte de la ragione
Tielman Susato Ronde
Anonym Branle gay Que je chatoulle ta fossette   (P. Attaignant)
Robert Ballard (ca. 1575 – ca. 1650) Bransle de Village
Anonym (ca. 1600) Corn yards   (Rowalan ms.)
Anonym (ca. 1600) Prenons garde mignon   (CJ fol. 5v)   [Ovčák]
Anonym
John Dowland (1563 – 1626)
O Nachbar Roland
Mr. Willoughby’s Welcome Home
Anonym Tantz   (CJ fol. 38r)
Saltarella   (CJ fol. 38r)
Coranta   (CJ fol. 38v-39r)
Coranta   (CJ fol. 39r)
John Dowland (1563 – 1626) The King of Denmark’s Galliard   (Lachrimæ or Seaven Teares, 1604)
The Earl of Essex Galliard
John Dowland (1563 – 1626) Mistress Nichols Almand   (Lachrimæ or Seaven Teares, 1604)
Mr. George Whitehead his Almand
Thoinot Arbeau (1520 – 1595) Belle qui tiens ma vie   [Pavana za deset švestkových knedlíků]
John Dowland (1563 – 1626) Now, oh now I needs must part   [Dávno, dávno, dávno vím]
Anonym Galliarda
Die soldaten sindt aller Ehren werdt   (CJ fol. 35v)
Saltarella   (CJ fol. 20r)   [Noc na Karlštejně]
Tantz H: von Teltz   (CJ fol. 34r)

Über das Programm

Das Bohemian Lute Orchestra präsentiert Werke aus der Renaissance und dem Frühbarock, die ursprünglich als mehrstimmige Vokal- und Instrumentalmusik konzipiert waren, hier aber in einer Besetzung von allerlei Lauten unterschiedlicher Größe und unter Beteiligung von Gästen mit anderen Instrumententypen aufgeführt werden. Ein Teil der Werke war ursprünglich für Sololaute geschrieben und wurde aktuell für die Bedürfnisse des heutigen Konzerts polyphon arrangiert oder wird über die sonst formal einfache Solokomposition improvisiert.

Neben Werken aus den bekannteren gedruckten mehrstimmigen Ausgaben von Pierre Attaignant, Michael Praetorius und John Dowland hören Sie auch Arrangements von Stücken aus der Prager Lauten­tabulatur Codex Jacobides. Diese Handschrift wurde dem breiteren tschechischen Publikum durch Jiří Tichota bekannt, der hauptsächlich als Gründer des Ensemble Spirituál Kvintet bekannt, aber auch ein gebildeter Musikwissenschaftler auf dem Gebiet der Alten Musik ist, insbesondere der Lautenmusik. Dank ihm und der LP Písničky z roku raz dva (Melodien aus Anno Dazumal) erreichten einige der schönsten europäischen Renaissance-Lieder das Lagerfeuer und drangen in das Bewusstsein ganzer Generationen ein. — Neben Werken aus dem Repertoire des Spirituál Kvintet enthält dieses Konzert unter anderem auch die Stücke Paduana Hispanica und Saltarella, die dank des historischen Films Noc na Karlštejně (Eine Nacht auf Karlstein) aus 1974 bekannt sind.

Ausführende

Bohemian Lute Orchestra

Alte Musik, darunter die Lautenmusik, hat in den letzten Jahrzehnten eine beispiellose Renaissance erlebt. In den letzten 20 Jahren ist die weltweite Lautengemeinschaft in einem beispiellosen Ausmaß gewachsen. Das Lautenspiel wird an führenden Musikhochschulen unterrichtet; mit großen Schritten machte die Forschung in der musikalischen Interpretation und der Musikinstrumentenbau Fortschritte, bislang unbekannte Quellen wurden neu gefunden, – kurz, die Laute erlebt ein großartiges Comeback.

Foto: Bohemian Lute Orchestra.

Die Länder der Böhmischen Krone wurde im 17. Jahrhundert von einem Ausbruch der Lautenmusik befallen und nahm das Staffelholz der kreativen Verarbeitung neuer französischen Lautenimpulse entgegen. Die Lautenmusik war am Prager und Wiener Hof Rudolfs II. beliebt, wie auch in der Bürgerschaft und im universitären Umfeld. Aber insbesondere im Hochbarock erlebte das Lautenspiel in den böhmischen Ländern ihre fundamentale Blüte.

Dieses wertvolle kulturelle Erbe wird seit 2018 von der Tschechischen Lautengesellschaft e.V. aktiv gepflegt, mit dem Ziel, die Lautenmusik und das tschechische Lautenerbe durch Konzerte, Vorträge, Forschung, die Veröffentlichung von Fachartikeln und Editionen, den Verleih von Musikinstrumenten und durch eine vielseitige Hilfe für angehende Lautenist/inn/en zu fördern. Die Mitglieder des Vereins bilden ein Lautenorchester, das unter dem Namen Bohemian Lute Orchestra auftritt. Es arbeitet unter der Leitung von Jan Čižmář, unserem führenden Spieler, Dozent bei der Janáček-Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brünn (Brno).

Web: www.lute.cz/bohemian-lute-orchestra

Marta Kratochvílová

Foto: Marta Kratochvílová.

Marta Kratochvílová studierte Querflöte am Konservatorium von Pardubice und danach an der Janáček-Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brünn (Brno). Anschließend vollendete sie ein Studium in Frankreich am Conservatoire National de Région de Strasbourg, wo sie sich auf die Querflöte des Barock und der Renaissance mit Jean-François Alizon and Nancy Hadden sowie auf Kammermusik mit Martin Gester und Patrick Blanc spezialisierte. Sie besuchte Meisterkurse und Workshops unter der Leitung von prominenten Persönlichkeiten wie Paul McCreesh, Barthold Kuijken, Jan-Latham Koenig und Sir Neville Marriner. In Frankreich spielte sie in den Ensembles Le Parlement de Musique, Le Masque, Bohemia Duo und NotaBene. In Verbindung mit Renaissance­workshops (Ferrara, München, Stuttgart, Basel) trat sie regelmäßig mit dem straßburger Consort für Renaissance-Flöten auf.

Sie gibt regelmäßig Konzerte in ganz Europa, vor Allem in kammer­musikalischen Projekten mit ihren künstlerischen Partnern, unter anderen mit Künstlern wie Christophe Coin, Jan Čižmář, Karel Fleischlinger, Joel Frederiksen, Marc Hervieux, Martin Jakubíček, Petr Kolař, Ján Krigovský, Martyna Pastuszka, Emmanuel Soulhat, Marcin Świątkiewicz und Marc Vonau, sowie mit den Ensembles {oh!} Orkiestra Historyczna oder Plaisirs de Musique, das sie mitgegründet hat. Sie ist auch künstlerische Leiterin des Renaissance-Querflöten­consorts Tourdion.

Als Lehrerin mit langjähriger Erfahrung wird sie häufig zu Präsentationen und Meisterkursen in ganz Europa eingeladen und gibt außerdem Privat­unterricht in dem Spiel und der historischen Interpretation der Barock- und Renaissance­traversflöte.

Marian Friedl

Foto: Marian Friedl.

Marian Friedl, musician, ethnomusicologist, pedagogue, member of several music projects of various specializations, in which he sings, plays the double bass, folk flutes, bagpipes, clarinet, small dulcimer and other instruments. He has performed on more than two dozen CDs, often with leading performers from the Czech scene and abroad. In 2014 he recorded, for example, the album NOCZ and Iva Bittová (Hevhetia), in 2016 Divé Husy with Jitka Šuranská and Martin Krajíček (nominated for the Anděl Music Award 2016) and in the same year the album Mateřština with Jiří Slavík (Anděl award 2016 in the World Music category). He embodied his personal vision of Moravian World Music in his self-conceived project Lambs and Wolves; the album of the same name won the Anděl 2017 award in the Folk category. In 2019 he released his solo album Beskydská Odysea (Indies Scope), the neo-folklore project Píseň ZEMĚ (Animal Music), and also performed as sideman on albums of the Norwegian-Czech group NOCZ and Choir (Hevhetia) and in the project Slovak Dances of the composer and conductor Peter Reiner (Naxos).

Jan Čižmář

Foto: Jan Čižmář.

Jan Čižmář ist ein vielseitiger Interpret mit Spezialgebiet historische Zupfinstrumente. Er tritt regelmäßig in Europa, Asien und den USA auf, u. a. mit dem Concertgebouw-Orchester, dem Orchestra of the Age of Enlightenment, Orchester des 18. Jahrhunderts, Rotterdams Philharmonisch Orkest, der Capella Cracoviensis und dem {oh!} Orkiestra Historyczna, sowie unter Dirigenten wie Frans Brüggen, Christopher Hogwood, Giovanni Antonini, Yannick Nézet–Séguin und Christina Pluhar. Er gibt auch Solokonzerte mit Barock- und Renaissancemusik und ist künstlerischer Leiter des Ensemble Plaisirs de Musique.

Nach dem Studium der Gitarre und Musikwissenschaften in seiner Geburtsstadt Brünn studierte er bei Jakob Lindberg an der Royal College of Music in London, wo er begann die Laute zu spielen. Danach studierte er am Koninklijk Conservatorium in Den Haag bei Nigel North, Joachim Held, Mike Fentross and Christina Pluhar. Er gründete und war Herausgeber der tschechischen Zeitschrift Kytara (Die Gitarre) und schreibt regelmäßig für andere Musikzeitschriften. Er ist auch intensiv mit Verlags- und Forschungs­aktivitäten im Bereich der Alten Musik beschäftigt. In 2010 gründete er die Hudební lahůdky (Musikalische Leckerbissen), deren künstlerischer Direktor er ist.

Jan Čižmář unterrichtete Laute und verwandte Instrumente an der Karol-Szymanowski-Musikakademie in Katowice (Kattowitz, Polen) und an der Akademie für Alte Musik der Masaryk-Universität in Brünn; derzeit unterrichtet er an der Janáček-Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brünn. Er gibt regelmäßig Kurse und Masterclasses in Europa und im Übersee.

Er tritt auf einige Dutzende CDs auf; in 2020 erschien bei Supraphon seine erste Solo-CD, die der Musik des Codex Jacobides gewidmet ist.


Wir danken

Das Konzert findet mit finanzieller Unterstützung des tschechischen Kultusministeriums statt.

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