Musikalische Leckerbissen

— Konzertreihe alter Musik —

Foto: Teynkirche.

Heureka! — È una nota d’oro!

Kammermusik aus dem Umfeld des Prager „Lautenprinzen“.

Donnerstag 17. Dezember 2020 19:00 — Online-Konzert, Prag, Tschechische Republik.

Gemälde.
Aufgrund der derzeitigen epidemiologischen Maß­nahmen kann die Öffentlichkeit dieses Konzert nur on-line besuchen.
Freiwilliger Eintritt (Vorschlag 150 Kč / 90 Kč bzw. 4,00 € / 2,25 €)

Ausführende

Programm

Jan Antonín Losy (ca. 1650 — 1721) Suite B-Dur   (GB-Lb [1])
Allemande — Courante — Sarabande — Gavotte — Rondeau — Marche — Menuet
Sylvius Leopold Weiss (1687 — 1750)
Jörn Boysen (*1976) — Rekonstruktion der fehlende Flötenstimme
[Duo pour luth et flute] fait à Prague 1719   (WeissSW 14, GB–Lb Add. 30387)
Adagio — Gavotte — Sarabande — Menuet — Bourée — Ciacona
Jan Antonín Losy (ca. 1650 — 1721) Suite D-Dur
Ouverture — Allemande — Bourlescha — Policionello — Vacherelle — Aria hannaco

[1] Gehörte früher Christopher Hogwood und Franklin Zimmerman. Kopien freundlicherweise von Michael Robertson (unabhängiger Forscher), Christopher Scobie (British Library) und Tim Crawford zur Verfügung gestellt.

Über das Programm

Das Werk von Johann Anton Losy repräsentiert einen einzigartigen Teil der böhmischen und weltweiten musikalischen Erbe. Losys Kompositionen genossen im damaligen Europa einer enormen Beliebtheit, was sowohl die Menge der handschriftlich überlieferten Stücke weltweit als auch eine Reihe von Transkriptionen seiner Lauten­kompositionen für andere Musikinstrumente bezeugen. Gegenwärtig sind fast zweihundert seiner Original­kompositionen und über zweihundert Konkordanzen und Bearbeitungen bekannt, allerdings fehlt bislang ein umfassender Katalog seiner Werke. Ein Durchbruch in der historischen Forschung über das Geschlecht Losy bietet neuerdings die Entdeckung von J. A. Losys Dissertation, die den bisher unbekannten turbulenten Ursprung der Familie und die Umstände ihrer Ankunft in die Ländern der böhmischen Krone offenbart.

Die Beschreibung von Losys Musikstil wurde oft anhand von vereinfachten Klischees über Losys Bemühungen um eine kreative Synthese von französischem und italienischem Stil erledigt. Solch eine verflachte Bewertung berücksichtigt auch nicht die Entwicklung des Komponisten und die verschiedenen Einflüsse, die sein Schaffen während der verschiedenen Phasen seiner kompositorischen Entwicklung beeinflussten. Völlig beiseite bleiben dabei Reflexionen über Losys Kunst des Transkribierens und Adaptierens von damals allgemein populären Werken. Das heutige Konzert­programm setzt als Ziel, diese Problematik zu erforschen und die Musik der „Prager Lautenschule“ dem Publikum näher zu bringen.

Ausführende

Marta Kratochvílová

Foto: Marta Kratochvílová.

Marta Kratochvílová studierte Querflöte am Konservatorium von Pardubice und danach an der Janáček-Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brünn (Brno). Anschließend vollendete sie ein Studium in Frankreich am Conservatoire National de Région de Strasbourg, wo sie sich auf die Querflöte des Barock und der Renaissance mit Jean-François Alizon and Nancy Hadden sowie auf Kammermusik mit Martin Gester und Patrick Blanc spezialisierte. Sie besuchte Meisterkurse und Workshops unter der Leitung von prominenten Persönlichkeiten wie Paul McCreesh, Barthold Kuijken, Jan-Latham Koenig und Sir Neville Marriner. In Frankreich spielte sie in den Ensembles Le Parlement de Musique, Le Masque, Bohemia Duo und NotaBene. In Verbindung mit Renaissance­workshops (Ferrara, München, Stuttgart, Basel) trat sie regelmäßig mit dem straßburger Consort für Renaissance-Flöten auf.

Sie gibt regelmäßig Konzerte in ganz Europa, vor Allem in kammer­musikalischen Projekten mit ihren künstlerischen Partnern, unter anderen mit Künstlern wie Christophe Coin, Jan Čižmář, Karel Fleischlinger, Joel Frederiksen, Marc Hervieux, Martin Jakubíček, Petr Kolař, Ján Krigovský, Martyna Pastuszka, Emmanuel Soulhat, Marcin Świątkiewicz und Marc Vonau, sowie mit den Ensembles {oh!} Orkiestra Historyczna oder Plaisirs de Musique, das sie mitgegründet hat. Sie ist auch künstlerische Leiterin des Renaissance-Querflöten­consorts Tourdion.

Als Lehrerin mit langjähriger Erfahrung wird sie häufig zu Präsentationen und Meisterkursen in ganz Europa eingeladen und gibt außerdem Privat­unterricht in dem Spiel und der historischen Interpretation der Barock- und Renaissance­traversflöte.

Jan Čižmář

Foto: Jan Čižmář.

Jan Čižmář ist ein vielseitiger Interpret mit Spezialgebiet historische Zupfinstrumente. Er tritt regelmäßig in Europa, Asien und den USA auf, u. a. mit dem Concertgebouw-Orchester, dem Orchestra of the Age of Enlightenment, Orchester des 18. Jahrhunderts, Rotterdams Philharmonisch Orkest, der Capella Cracoviensis und dem {oh!} Orkiestra Historyczna, sowie unter Dirigenten wie Frans Brüggen, Christopher Hogwood, Giovanni Antonini, Yannick Nézet–Séguin und Christina Pluhar. Er gibt auch Solokonzerte mit Barock- und Renaissancemusik und ist künstlerischer Leiter des Ensemble Plaisirs de Musique.

Nach dem Studium der Gitarre und Musikwissenschaften in seiner Geburtsstadt Brünn studierte er bei Jakob Lindberg an der Royal College of Music in London, wo er begann die Laute zu spielen. Danach studierte er am Koninklijk Conservatorium in Den Haag bei Nigel North, Joachim Held, Mike Fentross and Christina Pluhar. Er gründete und war Herausgeber der tschechischen Zeitschrift Kytara (Die Gitarre) und schreibt regelmäßig für andere Musikzeitschriften. Er ist auch intensiv mit Verlags- und Forschungs­aktivitäten im Bereich der Alten Musik beschäftigt. In 2010 gründete er die Hudební lahůdky (Musikalische Leckerbissen), deren künstlerischer Direktor er ist.

Jan Čižmář unterrichtete Laute und verwandte Instrumente an der Karol-Szymanowski-Musikakademie in Katowice (Kattowitz, Polen) und an der Akademie für Alte Musik der Masaryk-Universität in Brünn; derzeit unterrichtet er an der Janáček-Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brünn. Er gibt regelmäßig Kurse und Masterclasses in Europa und im Übersee.

Er tritt auf einige Dutzende CDs auf; in 2020 erschien bei Supraphon seine erste Solo-CD, die der Musik des Codex Jacobides gewidmet ist.


Wir danken

Das Konzert findet mit finanzieller Unterstützung der Hauptstadt Prag und des tschechischen Kultusministeriums statt.

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